Hallo liebe Familien und Kinder bei Von Pferden lernen – Reittherapie und mehr Kathrin Bünker,

 

es gibt immer wieder Anfragen und Erwartungen von Eltern, die an uns herangetragen werden, dass Kinder schon mit 6 Jahren doch „richtig“ reiten lernen sollten. Wir wissen vom Angebot anderer Reiterhöfe, die Reiten ab 4 Jahren anbieten, die Kinder oft auf Pferde gesetzt in einer Abteilung oder im Einzelunterricht.

 

Wir möchten Sie gerne über das geeignete Einstiegsalter und über unseren rückenfreundlichen gesundheitsfördernden Ansatz informieren, denn

Kinder sollten erst ab einem Alter von 10 Jahren frühestens mit dem „leistungsorientierten“ Reitunterricht beginnen.

 

Wir möchten Ihnen dies gerne begründen.

Aus der Sicht emotionaler und motorischer Entwicklungsreife.

Das Kind hat noch nicht die nötige Körperstabilität, um sich auf dem Pferd kontrolliert halten zu können. Aktives und selbständiges Reiten ist nur schwer möglich, da Kinder im Alter von 6-9 Jahren ein Tier solcher Größe kaum „beherrschen“ können. Auch Pferde, die brav im Kreis herumtrotten, stellen ein Risiko dar. Es geht immer eine große Unfallgefahr von ihnen aus, da der Reitlehrer in der Mitte keinerlei Hilfestellung leisten kann, wenn ein Pferd scheut oder auch mehrere Pferde in der Abteilung „durchgehen“. Es sind dann die Kinder, die dann durch so ein Erlebnis überfordert wurden und mit dem Reiten ganz aufhören, oder die Kinder, die sehr lange angstbesetzt sind oder ein geringer Anteil, der sich „durchbeisst“ allerdings unter Druck und sehr gemischten Gefühlen.

Wir möchten auch zu bedenken geben, dass Kinder eine unrealistische Selbsteinschätzung erhalten, wenn sie vermittelt bekommen, ein Pferd alleine und selbständig reiten zu können. Die Pferde in manchem Reitbetrieb laufen wie ferngesteuert und sehr routiniert ihre Runden, versuchen möglichst stressfrei ihre Aufgabe zu erfüllen, stellen aber keinerlei Anforderungen an das aktive Reiten.

Es ist mehr oder weniger ein Draufsitzen, ohne Anspruch an das Zusammenspiel der komplexen Hilfen mittels erlernten reiterlichen Fähigkeiten (Koordination, Bewegungsgefühl, Feinmotorik und altersentsprechende Kraft). Wir möchten die Kinder ernst nehmen und ihnen ein realistisches Bild von ihrem Können vermitteln. Es gibt auf diesem Weg viele kleine Erfolgserlebnisse, aber auch Grenzerfahrungen, wobei die Kinder lernen, eigene (körperliche) Grenzen zu erkennen.

 

Aus medizinischer Sicht.

Die medizinische Begründung dazu lautet: „…….im 5. bis 8. Lebensjahr, in den Zeiten, des gesteigerten Längenwachstums, ist die Reizbarkeit des Gewebes besonders gesteigert, und deshalb besteht gerade in diesem Lebensabschnitt die Gefahr der Überbeanspruchung.“

Das Stützgewebe kann die muskuläre Anforderung gar nicht leisten. Die Knochenstruktur du die Wachstumsfugen von Kindern sind noch sehr weich, sind aufgrund der hohen Druck- und Scherkräfte  gefährdet. Es kann zu Frakturen der Wachstumsfugen kommen. Die Wirbelsäule und die dazwischenliegenden Bandscheiben als Stoßdämpfer werden durch unschönes und ungesundes „Plumpsen“ auf dem Pferderücken stark belastet. Sie müssen das Körpergewicht tragen und Stöße abfangen. Die Nackenmuskulatur kann ebenfalls diese Kräfte gar nicht abfangen.

Wir sehen aber immer wieder auf anderen Höfen jauchzende 3 – 4 jährige Kinder, die auf dem Rücken im Trab herumplumpsen, mit tonisch unkontrolliert bewegendem Oberkörper und zurückfallenden Kopf. Die Stauchungen des Rückens vom kleinen Reiter sind genauso ernst zu nehmen wie die verursachten Rückenschmerzen des Pferdes. Der Körper eines Kindes im Alter von 3 Jahren ist noch im Wachstum, die Hüfte noch verformbar. Die Vorstellung von einer Spreizhose kommt dem Bild von einem Kind, das fast wie im Spagat auf einem Großpferd sitzt, sehr nahe. 5 – 10 Minute auf dem Ponyrücken sind daher völlig ausreichend, eine halbe Stunde und mehr eher schädlich.

 

Ausnahmen gibt es selbstverständlich, wenn Talent und Entwicklungsreife zusammen kommen, dann können Kinder schon früher leistungsbezogen gefördert werden.

 

Dann noch ein Grundsatz von uns, den wir auch immer den Kindern erklären, die da sehr verständig sind.

Kleine Kinder passen auf kleine Pferde (Ponys), große Kinder passen auf große Pferde.

Von Ponys geht ein nicht ganz so hohes Risiko aus, als von einem 500kg Großpferd.

Zudem können Kinder eigenständig das Pony zum Reiten vorbereiten, da das Größenverhältnis viel harmonischer ist.

Ponys sind „Angstkiller“, haben einen besonderen Charme und eine tolle Ausstrahlung auf Kinder. Ponys nehmen meist schneller die Hemmungen bei der Kontaktaufnahme und im allgemeinen Umgang als im Vergleich das Herantrauen an das große Pferd.

 

 

Wir freuen uns sehr, wenn wir im Austausch über dieses Thema, was uns wirklich sehr am Herzen liegt, bleiben.

Wir sind sehr bemüht Ihre Kinder bestmöglichst zu fördern, die Förderung der Gesamtpersönlichkeit mit vielen positiven Erlebnissen und Erfahrungen, die Förderung der kindlichen Tierliebe von Anfang an und die Förderung als Vorbereitung zum leistungsbezogenen oder breitensportlichen Reitsport ab 10 Jahren mit einer guten Basis im sicheren und selbständigen Umgang mit den Pferden und einem ausbalancierten Sitz.

 

 

 

Herzliche Grüße, das Team von Von Pferden lernen – Reittherapie und mehr Kathrin Bünker